Todesfalle Urlaubspool

Es ist eine bittere Realität. Schon wieder ist ein Kind in einem Hotel ums Leben gekommen. Leider kein Einzelfall. Warum der Urlaubspool zur“ Todesfalle“ werden kann, darüber sprechen wir mit der Reiseexpertin und Rettungsschwimmerin Sabine Amarell

1. Wie kann es passieren, dass tatsächlich in einem Urlaubspool ein Kind tödlich verunglückt.

In den letzten Jahren passiert es immer wieder, dass Kinder, besonders im Alter von 3-8 Jahren in Hotelpools ertrinken. Oft liegt es an unzureichend geprüften technischen Anlagen im Hotelpool. Da sind z.B. die Pumpen zu stark eingestellt oder Gitter unzureichend gesichert. Kinder sind neugierig, greifen hinein, bleiben hängen und ertrinken. In der EU ist ein „sicherer Pool“ mit einer Norm zu „Pumpen und Gitter“ geregelt, was aber nicht nachvollziehbar ist.

1. Ob die Norm eingehalten wird, können die Badegäste nicht überprüfen.

2. Die Unachtsamkeit der Personen, die das Kind beaufsichtigen, oder Fehler bei der Poolaufsicht in Hotels führen zu Unfällen.

3. Eltern, können oft selbst nicht richtig schwimmen und wissen in einem Notfall nicht, wie sie reagieren sollen.

2. Wie hat sich die Schwimmkompetenz der Kinder in den letzten Jahren entwickelt?

Eine Forsa-Umfrage hat festgestellt, dass fast 60% der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind. Der Anteil der Nichtschwimmer und unsicheren Schwimmer in der gesamten Bevölkerung beläuft sich auf 52%. Als sicherer Schwimmer kann nur gelten, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze sicher beherrscht. Eltern denken oft, dass das „Seepferdchen“ ausreichende Sicherheit gibt. Dieser Test bescheinigt aber nur, dass sich ein Kind über eine Strecke von 25m über Wasser halten
kann.

25% der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Bad., Schwimmbäder werden aufgrund Personalmangels und hoher Energiekosten geschlossen. Die Schwimmkompetenz nimmt also weiter ab, nicht nur bei den Kindern! Im Juli 2021 hat der Kreisausschuss von Germersheim für eine Förderrichtlinie zur Schwimmkompetenz 500T€ vorgesehen. Diese gehen in den Schwimmunterricht der Klassenstufen 2 bis 6 und in die Schülerbeförderung zum Schwimmbad.

3. Was muss sich ändern?

Wir können und müssen an mehreren Stellen ansetzen: Kleine Kinder spielen draußen gern am Wasser, an Pfützen und im Matsch. Hier gebe ich den Eltern den Tipp, diese Freude am Wasser auszunutzen und gemeinsam mit den Kindern Schwimmen zu lernen, denn auch die Aufsichtspersonen sollten „rettungsfähig“ sein.

Mein Tipp:

Kurse und Hilfestellung beim örtliche Badbetreiber und der DLRG erfragen. Seitens der Hotelbetreiber im Urlaubsort ist eine generelle Umsetzung von EU-Norm eher nicht in Sicht.

Nur 25% der bulgarischen Hotelpools haben eine Betriebserlaubnis. Reiseveranstalter müssen die Prüfung oder das Qualitätszertifikat von Hoteliers einfordern und sich bei den Verträgen die Betriebserlaubnis zeigen lassen. Sie müssen die Hoteliers in die Pflicht nehmen, inwieweit das dann in der Saison umgesetzt wird, bleibt offen…

Also liegt es an den Eltern und Kinder selbst für die nötige Sicherheit zu sorgen?

Mein Tipp:

Eltern sollten bei der Auswahl des Urlaubshotels bzw. bei Ankunft im Hotel genau hinschauen um was für einen Hotelpool es sich handelt.

1. Sind die Wände am Pool glatt, oder gibt es dunkle Stellen, wo sich Öffnungen oder Pumpen befinden könnten.

2. Welche Informationen es über die Tiefen des Pools gibt und ob Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich getrennt sind.

3. Gibt es eine Poolaufsicht und wie der Rettungsplan seitens des Hotels aussieht?

Mein Tipp:

Eine gute Adresse für die Urlaubsvorbereitung ist der sehr ausführliche Fragebogen „Sicherheit in Hotelpools“ von Parents4Safety e.V

Wer sich diese Anregungen zu Herzen nimmt, und gemeinsam mit den Kindern die Freude am Wasser spielerisch vorher erlernt der ist gut vorbereitet für den Urlaub. Die ganze Familie wird dann viel Freude und Spaß haben!

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